Das jüdische Feuilleton
Das Feuilleton wurde als "kleine Form" der Zeitung entwickelt. Aktuelles war Anlaß allgemeiner Reflektionen, deren Stil knapp, subjektiv, bildhaft und ironisch war - sagt ES von der Uni Essen. Von Heinz Knobloch ist überliefert, im Feuilleton verbinde sich das "Etwas-Mitteilen des Journalisten mit dem Sich-Mitteilen des Dichters". Darin ist das Feuilleton eine Form der Freiheit des Wortes am Rande des etablierten Konsenses, wie sie Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts besonders jüdische Autoren fanden: "unter'm Strich des Feuilletons" oder in neuen Wissenschaften wie der Soziologie und Psychologie. Persönliche Einsicht begeistert die Zeitgeschichte, Kritik kleidet sich ins Gewand des Außenseitertums der Clowns und Narren. Ihre Ironie, Feinsinnigkeit, Unterscheidungskunst, gar: Menschlichkeit gehört nicht in Leitartikel. Und die Gnadenlosigkeit eines Karl Kraus? Bleibt ein guter Bezugspunkt. Wie wäre ein jüdisches politisches Feuilleton als Blog Anfang des 21. Jahrhunderts?

