Sonntag, Mai 30, 2004

Das jüdische Feuilleton

Das Feuilleton wurde als "kleine Form" der Zeitung entwickelt. Aktuelles war Anlaß allgemeiner Reflektionen, deren Stil knapp, subjektiv, bildhaft und ironisch war - sagt ES von der Uni Essen. Von Heinz Knobloch ist überliefert, im Feuilleton verbinde sich das "Etwas-Mitteilen des Journalisten mit dem Sich-Mitteilen des Dichters". Darin ist das Feuilleton eine Form der Freiheit des Wortes am Rande des etablierten Konsenses, wie sie Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts besonders jüdische Autoren fanden: "unter'm Strich des Feuilletons" oder in neuen Wissenschaften wie der Soziologie und Psychologie. Persönliche Einsicht begeistert die Zeitgeschichte, Kritik kleidet sich ins Gewand des Außenseitertums der Clowns und Narren. Ihre Ironie, Feinsinnigkeit, Unterscheidungskunst, gar: Menschlichkeit gehört nicht in Leitartikel. Und die Gnadenlosigkeit eines Karl Kraus? Bleibt ein guter Bezugspunkt. Wie wäre ein jüdisches politisches Feuilleton als Blog Anfang des 21. Jahrhunderts?

On Blogging

Blogs leben erstens von ihrer Übersichtlichkeit, darin gleich den pointierten Beobachtungen in den historisch ersten Feuilletons. Zweitens machen sie von der Intertextualität des World Wide Web Gebrauch. Drittens sind sie, wenn sie gut sind, Fundstücke eines wachen Geistes, die viertens eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit der Welt beweisen. Sie sind, fünftens, unter den Augen der Leser geschrieben und tragen deshalb die Insignien eines öffentlichen, wenn nicht sogar politischen Auftritts. Und damit sind sie, letztens, eine eigene Kunstform, die in meinem eigenen Stil zu entwickeln mein Ehrgeiz sein sollte. Nichts wäre schlimmer als Nabelschau auf Tagebuch-Niveau.

Freitag, Mai 28, 2004

Erstes Weblog

Weblogs scheinen ein gutes Instrument zu sein, eigene Perspektiven für andere Leser zugänglich zu machen, ohne sie mit Text zuzuschütten. Ein politisches Instrument? Wir werden sehen.
Einstweilen: www.christopher-gohl.de