Formationstanz der Hühnerhaufen
Soziologen mit Drang zur Öffentlichkeit und junge Autoren in der ersten Sinnkrise lieben es, Generationen zu verkünden: "Generation @", "Generation X", "Generation Y", "Generation Golf", "Generation Golfkrieg". Ich warte auf die "Generation Ich" - ach halt, die gibt's auch schon. Alles inflationäre Teilweisheiten. Ihr Grundproblem: "die junge Generation" wird mit Hilfe bestimmter Eigenschaften oder Einstellungen bestimmt. Der "Wetten-Daß"-Konsum in den 80er Jahren, das "Playmobil zu Gameboy-Verhältnis", Einstellungen zu Werte, Familie, Beruf und Gesellschaft oder auch Arbeitslosigkeits-, Chat- und Demonstrationsteilnahme-Zahlen sollen eine bewegliche und unübersichtliche Menge junger Menschen für einen Moment mal fixieren. Aber ob im Spiegel (der Daten) oder im Focus (kulturkritischer Bauchnabelschau): das ist doch alles Quatsch - der Versuch, einem Hühnerhaufen einen Formationstanz anzudichten.
So macht sich das Denken über eine junge Generation lächerlich. Können wir uns aber nicht leisten. Es ist enorm wichtig und unverzichtbar, uns zu definieren. Aber die entscheidende Meßlatte unserer Generation ist die Zeit, in der wir leben, und die Zeiten, in denen wir leben werden. An den Chancen von heute und den Herausforderungen von morgen haben wir uns als Formation auszurichten. Es gilt, uns über sie in einer historischen und politischen Selbstverständigung Klarheit zu verschaffen.

