Dienstag, August 17, 2004

Ciao Chatami

Irans Staatsscheich Chatami, wegen Goethe-Grundkenntnissen Darling der Deutschen, entlarvt sein faules Spiel mit den Werten des Humanismus, die er gerne auf der Zunge zelebriert. Dem Olympia-Verlierer Arash Miresmaeili spricht er besondere Ehre zu, weil er einen israelischen Athleten boykottiert hat, und Israel spricht er das Existenzrecht ab. Zeit für Deutschland, ihm den Status des islamistischen Lieblings abzuerkennen!

Freitag, August 06, 2004

Jüdisches Feuilleton II

Es ist anzuzeigen: mein Freund Julian ist Chronist des New Yorker Zeitgeistes. Diaspora in der Diaspora, weil er aus Deutschland ist - obwohl vielleicht kein Ort so wenig Diaspora ist wie New York. Wie der berühmte Talmudist Lenny Bruce sagte: "Even if you are Catholic, if you live in New York you're Jewish. If you live in Butte, Montana, you are going to be goyish even if you are Jewish." Ich kenne jemanden, der jemanden kennt, der mal in Butte, Montana war und dort ein Trompeten-Mundstück am Shofar, dem rituell verwendeten Widderhorn, vorgefunden hat - Bruce hatte also Recht. - Zurück zu New York: das ist im Verhältnis zu den Vereinigten Staaten "an island unto itself", und also wieder Diaspora. Mein Kommentar dazu: "Zelig sind die Juden der Moderne - Woody Allen und die Diaspora-Situation", besonders IV.1 Marginalität made in New York. Und Julians Kommentare: kein Witz, sondern viel Poesie.
Wo wir gerade Jewish & political blogs verlinken: mein täglicher Borowitzreport, und das Fundstück "Protocols" von fellow blogspotters. Hihi.

Das Schauspiel der Rechtschreib-Deformen

Recht schreiben ist schon schwer - um so mehr, wenn Recht vorschreiben will, wie recht zu schreiben ist. Mit offener Schadenfreude notieren wir, dass Spiegel & Springer der reformtrotzenden FAZ zur Seite springen, um der rechtschreib-deformenden Kultusminister-Konferenz den Spiegel des Scheiterns vorzuhalten. Pressefreiheit mal ganz anders!
Sprache ist ein öffentliches Gut; eigentlich das erste Open Source Projekt der Menschheit. Der Staat hätte sich von vorneherein nicht als Eigner dieser Software aufspielen dürfen. Aber selbst Junge Liberale, an der Vorderfront eine gestaltungsfrohe Germanistik-Studentin, haben dem exekutiven Gesetzgeber seine Griffelspitzereien gegönnt. Nach Open Source-Regeln darf jedermann gerne Verbesserungsvorschläge machen, und warum nicht auch ministeriale Tintenspritzer? Danke für den Versuch also, aber endlich fällt der durch!
Ich glaube: es ist noch nicht einmal die Bürgergesellschaft, die jetzt auf ihrem Recht beharrt, schreiben zu dürfen nach Regeln, die sich durch das Kratzen einer Feder auf Pergament, im Hammerschlag der Druckmaschinen durch die Jahrhunderte hindurch geformt haben. Es ist die Sprache selbst, die im Namen des Rhythmus ihrer Regeln die Resistenz von Rebellen inspiriert. Im Anfang war das Wort, und wie ein lamgsam atmender Strom begleitet die Sprache unser menschliches Streben, schenkt uns Ausdruck und Gedächtnis unserer Kultur. Ist es nicht ein Schauspiel, wie sie Ordnungsrufe einfach verschluckt und absorbiert? Sieht die Konferenz von Kulturbeamten nicht komisch aus, wie sie auf Bergen trockener Tinte sitzen bleibt? Und muß man die Sprache und die Schrift dafür nicht - einfach lieben?