SOS - Skorbut-Liberalismus an John Dewey
Was jetzt schon mal vorausgesagt werden sollte:
1. John Dewey wird in drei, vier Jahren in Deutschland ankommen. Seine pragmatistische Philosophie einer lernenden Demokratie eignet sich hervorragend, um die innere Verfassung und die Prozesse einer modernen und aktiven Demokratie zu thematisieren.
2. Der Begriff der Praxis muß von seiner marxistischen Besetzung befreit werden. "Praxis" meint den Meta-Prozess des Zusammenwirkens aller Prozeduren, die den Handelnden selbstverständlich sind. Also: Praxis ist, was selbstverständlich getan wird. Aber keine Selbstverständlichkeit ist, wenn man genau hinschaut, wirklich selbstverständlich. Besonders nicht in Zeiten von Umbrüchen. Wo wir also unsere Lebensprozesse neu organisieren, müssen wir - selbstverständlich! - über Praxis reden. So mit Dewey.
3. Liberale Theorie leidet an Skorbut - nämlich unter einer Dominanz einer Klasse toter Männer, die uns Schriften über liberale Verfassungs- und Wirtschaftsordnungen hinterlassen haben. Da sind zwar klasse Ideen drin - aber die Idee der Freiheit ist größer als eine Rechtsstaats- und Wirtschaftsordnung. Ihr Ausdruck braucht auch eine demokratische und eine bürgergesellschaftliche Ordnung - letztere ist in meinen Augen jene Ordnung, welche die anderen drei komplementär zu organisieren und zu integrieren hat. Und innerhalb dieser Ordnungen drückt sich Freiheit in einer Praxis, einer gewissen politischen und menschlichen Kultur, aus. Dewey gäbe dem Skorbut-Skelett des Liberalismus eine dringend benötigte Vitaminspritze.
4. Let's go read Dewey!

